Informieren Sie sich über die Stellenausschreibung für die Leitung im Schulhort Lgl.-Oberhain unter der Rubrik "Leben".
25.05., 14.00 Uhr Wernsdorfer Dressurturnier
26.05. - 28.05., 08.00 Uhr Wernsdorfer Dressurturnier
28.05., 10.00 Uhr Köbefest
02.06. bis 05.06.: Pfingstturnier – 65 Jahre Reitsport in Langenleuba-Oberhain
10.06., 14.00 – 17.00 Uhr: Kellerbergfest
09.06. - 11.06., 666 Jahrfeier Markersdorf
09.06. - 11.-06.: Niedersteinbacher Schützenfest
17.06., 10.00 Uhr: Sommerfest im Kreisel
17.06., 14.00 Uhr: Schulfest der GS Langenleuba-Oberhain
23.06. - 25.06.: Obergräfenhainer Dorffest

Dr. med. Christian Hermann Zöllner

Dr. med. Christian Hermann Zöllner

  • geboren: 29.06.1812 in Mühlau
  • gestorben: 31.12.1892 in Penig
  • Vater: Dr. med. Johann Gottfried Zöllner
  • Mutter: Christine Auguste Zöllner, geb. Wirth
  • Tochter: Olga Schmidt, geb. Zöllner

Von so mancher Persönlichkeit der Stadt ist nur nach längerer Nachforschung etwas heraus zu bekommen. Obwohl Zöllner Ehrenbürger der Stadt Penig ist, sind Informationen über ihn nur mager und ein Foto oder Bild seiner Person selbst, nicht auffindbar gewesen.
Zunächst einmal die wenigen Daten zu seiner Person:
Die Eltern von Zöllner, der Vater Dr. med. Johann Gottfried Zöllner und seine Mutter Christliebe Auguste geb. Wirth, wohnten in Mühlau. Der hier gemeinte Zöllner ist demnach geborener Mühlauer. Er dürfte nicht mit gleichnamigen Personen in Penig verwandt sein.
Auch die „Zöllnergasse“ in Penig ist nicht mit ihm in Verbindung zu bringen.
Die Gasse erhielt ihren Namen nach den dort überwiegend wohnenden Familien mit den Namen Zöllner. Als junger praktischer Arzt und Geburtshelfer ließ er sich in Penig nieder. Am 16.3.1840 erwarb er das Bürgerrecht von Penig. Er war verheiratet mit Christiane Pauline, geb. Cau, und er hatte auch Kinder, über die jedoch nichts in Erfahrung gebracht werden konnte. Gewohnt hat Zöllner in der Leipziger Straße Nr. 120. Es stellte sich bald heraus, dass dies die alte Nummerierung von vor 1910 war (die blauen ovalen alten Hausnummern sind zum Teil heute noch vorhanden). Neue und alte Hausnummern wurden noch für längere Zeit, verm. bis 1945, geführt und an den Häusern angebracht. Es handelt sich um Haus und Grundstück Leipziger Str. 15 (heute Fleischer Rabe). Wahrscheinlich hat er dort auch seine Arztpraxis betrieben. Nach den Angaben von Zeißig hat vor dem Haus eine alte Postmeilensäule gestanden, weshalb die Häuserfront nicht gerade verlief, sondern eine Ecke entstand.
Von dem Wohnhaus selbst existiert eine alte Hauschronik (von Zeißig), wonach es vor 1591 erbaut sein dürfte. Viele Eigentümer besaßen das Anwesen bevor es am 10.3.1840 Dr. Zöllner erwarb. Nach seinem Tod kaufte das Haus die Stadt, sie trennte einen Teil des Grundstückes ab und errichtete darauf ein Elektrizitätswerk. Soweit einige Angaben aus der Zeißigschen Hauschronik.

Was aber mag die Stadt nun bewogen haben, ihm den Ehrenbürgertitel zu verleihen?
Dr. Zöllner war einer, der Fortschrittlichem und Neuem gegenüber aufgeschlossen war.
Frühzeitig erkannte er, dass sportliche Betätigungen ein wichtiger Beitrag zur Gesunderhaltung des Körpers sind. Einen ersten Anstoß zur Turnerei für Jugendliche gab es in einem Artikel des Peniger Wochenblattes vom 18. Juni 1844 (Autor jedoch unbekannt).
Im Wochenblatt vom 5. Sept. 1844 riefen in einer Anzeige, auch Dr. Zöllner, zur Teilnahme an einer neu gegründeten Privatturnanstalt auf.
Abschrift der Anzeige (da nicht mehr besonders lesbar):

Zur Beachtung.
Eine Privatturnanstalt wird gegründet! Die Theilnahme daran ist Jedem gestattet, welcher den darum bestehenden Bedingungen sich unterwirft. Als solche hat der Unter-
zeichnete, zur Leitung und Ueberwachung der Anstalt sich constituirte Verein vorläufig
festgesetzt, daß
1) jeder einzutretende Turner einen vorschriftsmäßigen Turnhabit, bestehend in Hosen, Jacke und Mütze von grauer Leinwand, sich anschaffe und

2) zu einem wöchentlichen Beitrag von ½ Ngr. sich verpflichte.

Das Werk ist gemeinnützig und der Zweck folgewichtig; daher man Erfolg hofft und rasche,
zahlreiche Teilnahme!
Dr. Zöllner. Mainhardt. Voigt. Bormann. Müller.
Mit Bezug auf vorstehende Ankündigung wird bemerkt, daß die Anmeldungen erfolgen bei
Adolph Bormann, Lehrer, und Karl Müller, Act.


Die Folge dieser Zeitungsanzeige war die Gründung eines ersten Turnvereins in Penig.
Ein exakter Tag der Vereinsgründung läßt sich nicht nachweisen. Er dürfte aber in den Herbsttagen des Jahres 1844 gewesen sein. Die Turnerbewegung stand unter den Vorsteher von Christian Gottlieb Krenkel und Dr. Meischner. Zum Turnen wurde ein einfacher Platz auf dem Bleichengrundstück (heute Gelände am Ende der Schillerstraße) gepachtet.
Am 17. August 1845 erfolgte die feierliche Einweihung des Platzes und die Weihung der Vereinsfahne. Wer mehr über die Entwicklung des Turnvereins wissen möchte, der kann sich
die Festschrift zur Turnhallenweihe 1914, die Aufzeichnungen von Herrn Karl Tuma und die
Aufzeichnungen von Walter Gutbier in der Stadtbücherei ausleihen.
Dr. Zöllner war also zumindest Mitinitiator der ersten Turnbewegung in Penig. Aus diesem
ersten Sportverein sind später weitere Einzelvereine hervorgegangen.
Aus den „Nachrichten über die Stadt Penig 1883 von Dr. Meischner“ ist zu entnehmen, dass
Dr. Zöllner auch zu den Gründungsmitgliedern des Sparkassenvereins gehört. Im Sept. 1847 traten hier 15 Männer zusammen und gründeten einen solchen Verein. Die Annahme erster Spareinlagen erfolgte am 7. Okt. 1847 im Rathaus 2 Treppen hoch. Im April 1874 löste sich der Spar-Verein auf, und von da an übernahm die Stadtgemeinde die Leitung der Einrichtung unter dem Namen „Städtische Sparkasse zu Penig“.
Schließlich stellte Dr. Zöllner den hinteren Teil seines Grundstückes zur Errichtung eines Elektrizitätswerkes zur Verfügung. Nach der Erfindung der Elektrizität hielt diese auch
in Penig Einzug. Zur Stromerzeugung griff man zunächst auf die Nutzung der Wasserkraft zurück, aber bald nutzte man auch die Kohle und trieb mit Dampfmaschinen die Turbinen an. Für die Errichtung einer derartigen Anlage stellte Dr. Zöllner sein privates Grundstück bereit. Dass mit solchen Anlagen nicht nur sauberer Strom für die Haushalte erzeugt wurde, sondern auch eine beträchtliche Portion an Umweltbelastung einherging, hat man zunächst nicht gesehen. Dieser neuartigen vielversprechenden Technologie stand zumindest Dr. Zöllner sehr aufgeschlossen gegenüber.
Der steigende Strombedarf führte dazu, dass man um 1898/99 den Strom aus einer neuen Wasserkraftanlage in Thierbach bezog. Dieser wurde über eine Freileitung als Wechselstrom zur Anlage auf der Bahnhofstraße geleitet. Dort wurde er mittels Synchronmotor und Pufferbatterien in Gleichstrom umgewandelt und an die Verbraucher verteilt.
Da die Aufzeichnungen von Karl Zeißig besagen, dass erst nach seinem Tod Haus u. Grundstück an die Stadt verkauft wurden, so hat er wahrscheinlich sein Grundstück gegen eine Pacht der Stadt überlassen.
1872 wurde in Penig der Sedan- und Verschönerungsverein gegründet, welcher unter der Leitung des Herrn Wilhelm Zimmer stand. Dieser Verein schuf auf Anregung von Dr. Zöllner (er war dort auch Mitglied) die sogenannten „Promenaden“. Der Eingang zur Promenade befand sich hinter dem Schützenhaus. Aber auch vom Schützenhausweg aus war diese zu begehen. Am Eingang befand sich die Schiller-Linde und das Schiller-Denkmal. Unterhalb der Humbold-Eiche (steht noch heute) befand sich ein im Stile der Zeit errichtetes hölzernes Wetterschutzhäuschen. Die gepflegten Anlagen luden damals zum „Promenieren“ ein und Dr. Zöllner war wieder einmal der Initiator.
Zöllner gehörte ferner dem Ratskollegium von 1869-1874 und 1876-1887 an. Als Stadtverordneter vertrat er die Belange der Stadt auf den Bezirksversammlungen.
Am 20.7.1889 ist ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen worden. Er war auch Träger des Ordens „Ritter der I. Klasse des Königl. Sächs. Albrechtsordens“. Dieser Orden wurde verliehen für Verdienst um den Staat, bürgerliche Tugend, Wissenschaft und Kunst.
Als mit 80 Jahren Dr. med. Christian Hermann Zöllner verstarb, verlor die Stadt einen Bürger der das Gemeinwohl voranstellte. Im Nachruf des Stadtrates (Dr. Weber, Bürgermeister) und der Stadtverordneten (Förster, stellv.) ist unter anderem zu lesen:
„Als Stadtverordneter wie als Stadtrath hat der Verblichene den Interessen der Stadt seine
besten Kräfte gewidmet und auch nach dem Ausscheiden aus dem städtischen Dienst hat
er stets ein warmes Herz für alle städtischen Angelegenheiten bewahrt. Um dessen Willen,
um seiner oft bestätigten Hilfsbereitschaft und Opferwilligkeit und seiner sonstigen dem Gemeinwohl gewidmeten Bestrebungen willen, werden wir ihm stets ein dankbares Andenken
widmen. Möge er in Frieden ruhen!“

Für einen ersten Hinweis auf Dr. Zöllner danke ich Herrn G. Friedrich, Reitzenhainer Straße. Frau Conradi vom Stadtarchiv danke ich wieder für die Einsichtnahme in Unterlagen.
Als Quellen diente versch. regionalgeschichtliche Literatur u.a. von Fritzsche 1897, Dr. Meischner 1883, Festschrift zu rTurnhallenweihe 1914, Wochenblatt 1844 sowie Aufzeichnungen von W. Enghardt, K. Zeißig, W. Gutbier, K. Tuma und mündl. Mitteilung von Jürgen Bernd.

R. Albrecht